Montag, 19. Oktober 2009

Métro, RER, Bus, Vélib

Etwas, das im täglichen Leben wichtig, wenn nicht gar unverzichtbar ist: der öffentliche Personennahverkehr. Prinzipiell fällt einem da in Paris sofort die Metro ein, klar. Aber das ist definitiv nicht alles ;)
Es gibt auch noch eine ausgebautes Netz an Buslinien. Allerdings, ehrlich: es dauert fast immer ewig und ist recht unzuverlässig. Nach 1 Uhr (oder 2 Uhr am Wochenende) sind allerdings die Nachtbusse (Noctilien genannt) die einzige Möglichkeit, sich über längere Strecken zu bewegen (abgesehen freilich vom Taxi - aber ich bin ja nicht reich). Es dauert noch länger als am Tag, und wenn man (Gott bewahre!) umsteigen muss, wartet man durchaus auch mal eine Dreiviertelstunde. Nicht zum nachahmen geeignet. Alternative Vélib: das setzt sich zusammen aus "Vélo" (Fahrrad) und "libre" (frei) und ist etwas wie das Car2go in Ulm, nur mit Fahrrädern. Die Stationen für diese Fahrräder findet man echt überall in der Stadt - man nimmt sich an Station A eines, fährt wohin man möchte, und gibt es bei Station B wieder ab. 24 Stunden täglich, 7 Tage die Woche. Das Fahrradfahren in Paris durchaus gefährlich sein kann, nun, das ist eine andere Geschichte. Aber eigentlich ist hier sogar Straße überqueren gefährlich... Pariser hetzen nämlich immer (weil sie ja auch generell zu spät sind - aber das ist nur meine Vermutung), und Ampeln sind eh nur für (deutsche...) Touristen (scheinbar die landläufige Meinung, so sehr, wie die Pariser die Ampeln ignorieren).
Also, zu wichtigerem: Metro und RER. Wie wichtig das ist, sieht man daran, dass die Frage "Wo wohnst du?" sehr häufig mit der Angabe der nächsten Metro-Station beantwortet wird ("Pereire!" "Oh, ein hübsches Viertel!"; "Porte de Clignancourt..." "Oh, das... ist wenigstens dein Zimmer schön?"; "Place Monge" "Wie praktisch, sehr lebhaft und jung dort, nicht wahr?" - Ich schreib demnächst mal mehr über die jeweiligen Quartiers etc...). Also, man nutzt sie halt auch jeden Tag. Als so überfüllt, wie man ihr immer nachsagt, empfinde ich sie gar nicht - außer natürlich zu Stoßzeiten, aber die sind auch eher selten. Und Linie 1 ist fast immer voll von Touristen. Ach, Touristen (juchhu, ich habe ein Adresse in Paris, ich möcht jetzt mal ganz kurz lästern dürfen ;) )! Brauchen ewig, ihr Ticket irgendwo reinzustopfen (daher hat man als "Pariser" einen Pass Navigo, der irgendwo in der Handtasche steckt, die dann einfach komplett schwungvoll auf das Lesegerät geknallt wird - was auch in ca. 3/4 der Fälle funktioniert, auch wenn gerade Frauen ständig dabei zu sehen sind, wie sie ihre Tasche nach dem Pass durchwühlen... was, seien wir ehrlich, viel länger brauchen als die ganzen Touristen...), und auf den Rolltreppen stehen Touris immer links (Kardinalverbrechen. Links wird gelaufen! Rechts wird gestanden! Man hat schließlich noch anderes zu tun, als sich an Touris vorbeizudrängeln (und ist eh schon zu spät dran...)). Grauenhaft.
Übrigens heißt Metro nicht, dass man nicht laufen muss. Insbesondere Treppen! Abwärts gibt es sowieso fast nie Rolltreppen, und auch sonst (mindestens einmal in der Woche treffe ich auf eine, die gerade kaputt ist; sehr viel häufiger gibt es einfach keine)... außerdem heißt umsteigen sehr häufig auch einiges an laufen. Denn das eine Station den gleichen Namen hat heißt nicht, dass die Metro-Linien auch wirklich nah beieinander liegen. Das geht soweit, dass es diese Laufrollbänder gibt, damit der Pariser wenigstens nicht allzu spät kommt, wenn er die Linie wechseln muss (ach, seien wir ehrlich: nicht, dass es ihn stören würde). Genauso lustig: als Treffpunkt "Chatelet Les Halles" o.Ä. ausmachen. An dieser Station laufen 5 Metro- und 3 RER-Linien zusammen. Linie 4 gibt es sogar 2 mal: "Chatelet" und "Les Halles" (was man übrigens [lee all] ausspricht, und nicht [leesall], wie manche Banausen glauben würden. Wir haben es nicht mit dem "h muet", wo man bindet, sondern mit einem "h aspiré", wo man (natürlich...) nicht bindet zu tun. Gibt es dafür eine Regel? Aber natürlich! Alle Wörter lateinischen Ursprungs haben ein h muet. Wörter anderen Ursprungs (griechisch, arabisch...) haben ein h aspiré. Die Regel hilft im Alltag nicht wirklich? Pfft, ist ja nicht die Schuld der Franzosen, dass die wunderschönste Sprache der Welt nicht deine Muttersprache ist (siehe auch: "Moi, je parle français, je suis donc légalement meilleur(e) que vous !)"! Man weigert sich dennoch, "Leesall" zu verstehen...), so gross ist die Station! Wirklich - nun gut, vielleicht auch ein wenig, um Touris zu verwirren, aber dennoch. Zum Glück haben die Ausgänge Namen und Nummern (meistens jedenfalls).
Und neben der Metro gibt es natürlich noch die RER (sprich: "Err-ö-err"). Das sind Vorstadtzüge, die in Paris auch untertage fahren. Unterschied: deutlich längere Züge als die Metro, hält seltener (wie oft, kommt dabei offenbar darauf an, ob es von der RATP oder der SNCF betrieben wird - aber das hab ich echt noch nicht geblickt), fährt wie gesagt bis Vorstadt und kommt nicht ganz so häufig. Außerdem haben die verschiedenen Linien (Endhaltestellen) verschiedene Namen. Ich nehme die RER C zur Uni, damit sind es nur 2 Stationen (bzw. 6 Minuten). Meine Züge heißen Mona, Romi, Foot oder Dufy, und in der anderen Richtung Gota oder Nora (es soll auch noch Gata und Guta geben, aber die sind mir noch nicht begegnet). Putzig, oder?
Die Metro hat übrigens morgens und abends eine kleine Zeitung, wirklich praktisch, wenn man mal seinen Lesestoff vergessen hat (und offenbar nicht nur für in der Metro, sondern auch für ganz besonders spannende Vorlesungen - jedenfalls seh ich ständig andere Studenten damit...).
Also alles toll? Na ja - wenn man die Gerüche (und es ist laut! Und es zieht!) ignoriert... und etwas Angst vor einem der berühmt-berüchtigten "grève" (Streik) habe ich auch schon. Aber besser als der ÖPNV in Newcastle ists jedenfalls (haha ;D So schwer ist das nicht...).

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